Wie ich bereits am Ende des vorigen Eintrags angekündigt hatte,
berichte ich nun über das Ryudaisai (das Fest der Ryukyu-Universität), welches
am Wochenende stattfand. Es findet wohl jedes Jahr vor Beginn des Semesters
statt.
Voller Vorfreude stand ich also am Samstagmorgen auf, um dann erstmal
in aller Ruhe mit Irene zu frühstücken, bevor wir uns auf den Weg machten, noch
ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Da wir uns mit Irene’s Tutorin erst gegen
14 Uhr vor der Bibliothek treffen wollten, hatten wir also noch genügend Zeit,
ein paar Dinge vorher zu erledigen. Auf dem Rückweg zum International House
haben wir dann aber bereits etwas vom Fest mitbekommen, da unser Weg zum
Drogerie- und Supermarkt einen Teil um den Campus herumführt, konnten wir am
Osteingang des Campus einige aufgebaute Stände betrachten und von weitem Tänzer
mit Taikos (japanische Trommeln) und Tänzerinnen erkennen, die den
traditionellen Tanz Eisaa von Okinawa
tanzten.
Eisaa-Tanz
Wir brachten schließlich erstmal unsere Einkäufe auf unsere Zimmer, ehe
wir uns später dann auf das Fest begaben. Vor der Bibliothek haben wir dann
auch Christian, einen der anderen deutschen Austauschstudenten unserer Uni
gefunden. Während wir dann zu dritt auf Irene’s Tutorin warteten, sahen wir uns
eine Tanzgruppe an, die auf der Bühne (welche vor der Bibliothek aufgebaut war)
zu verschiedenen Liedern tanzte.
Mädchen-Tanzgruppe
Nachdem Irene’s Tutorin Natsumi mit einer Freundin namens Katsumi angekommen
war, suchten Irene und ich uns erstmal etwas zum Mittagessen, da wir seit dem
Frühstück nichts mehr gegessen hatten. Zum Glück gab es genügend Auswahl auf
dem Fest. Genau genommen gab es eigentlich viel zu viel Auswahl, denn man
konnte sich kaum entscheiden… Gebratene Nudeln, gegrilltes Hähnchenfleisch, Oktopusbällchen,
diverse Nudelsuppen, Reisbällchen… Von überall her strömten uns die
unterschiedlichsten Gerüche in die Nase, doch recht schnell fanden wir etwas,
was uns mehr als nur zusagte: Okonomiyaki!
Nun, für alle, die das nicht kennen: Was ist Okonomiyaki? Ein
Okonomiyaki besteht aus einem flüssigen Teig, in den man kleingeschnittenen
Kohl hineingibt. Dieser wird dann in der Pfanne angebraten und schließlich kann
man diesen Teig mit sämtlichen Zutaten belegen, ganz nach Belieben: mit
Fleisch, Fisch, Gemüse oder auch Käse. Darüber gibt man schließlich Noriblätter
(getrocknete Seealgenblätter), etwas Dashi (Fischflocken), eine unwiderstehlich
leckere Soße und oft etwas Mayonnaise.
Ich kann dieses Gericht wirklich nur empfehlen! :)
Und so sah unser Okonomiyaki dann aus, welches wir auf dem Fest
verspeist haben:
Okonomiyakiiiii!!!
Ich und mein Okonomiyaki. :)
Anschließend sind wir dann alle zusammen ein wenig über den Campus
gegangen und haben uns die Stände angesehen. An den meisten Ständen konnte man
etwas zum Essen oder zum Trinken kaufen, doch es gab auch Stände, an denen
selbstgebastelte Sachen verkauft wurde oder wo kleine Kinder Goldfische aus
großen Wannen fischen konnten. Da das Wetter auch sehr gut war und es
unglaublich heiß war, war es sicher für die meisten Kinder ein Riesenspaß an
den Wannen zu sitzen und im Wasser nach den Goldfischen zu angeln. ^^°
Hier noch ein paar Eindrücke vom Fest:
Ein paar Stände, als es auf dem Fest noch nicht so voll war.
Ein Box-Showkampf.
Diese netten Jungs warfen sich sogleich in Pose, als man die Kamera rausholte.
Und Evelyn: Das sind übrigens dann wohl unsere Ryukyu-Boys. Ziemlicher Kontrast zu den Keio-Boys, was? ;)
Ein Foto von einem Vater und seinem Sohn. Es bot sich einfach an, ein Bild von dieser Szene zu machen, weil das so niedlich aussah. :)
Und hier unsere Gruppe (von links nach rechts): Irene, Christian, ich, Laurin und Katsumi. Natsumi hat das Foto geschossen.
Während wir über den Campus gingen gab es erneut eine Vorstellung des Eisaa-Tanzes und dieses Mal konnten
Irene und ich auch einen Teil davon filmen, da wir ganz nah dran standen. :) Zudem haben wir uns
noch ein Eis gekauft. Und zwar kein Milcheis, sondern ein Kaki-goori! Ein
Kaki-goori besteht aus ganz kleinen Eiswürfeln und diese werden mit einem Sirup
überschüttet. Irene und ich hatten uns für den Melonensirup entschieden,
Natsumi für Pfirsich. Bei diesen heißen Temperaturen tat das wirklich gut.
Unser Kaki-goori. Seeeehr lecker und erfrischend bei 30°C!
Lustig ist auch, dass man manchmal mehr oder wenig spontane Live-Acts
auf dem Campus sieht. Gegen Nachmittag zum Beispiel rannte plötzlich so ein Typ
über ein relativ freies Stück Straße und kämpfte wie Jackie Chan gegen die
Bösen, bis diese alle am Boden lagen. Es war so, als würde man bei
irgendwelchen Dreharbeiten für deinen Film zusehen.
Im Hintergrund sieht man die bereits niedergestreckten Menschen. *lach*
Gegen Nachmittag verließen wir dann das Fest und wurden von Natsumi
noch einmal zu dem großen Kaufhaus in Nishihara gefahren, wo Irene und ich
nicht nur ein Bügeleisen und ein Bügelbrett (Gott sei Dank!) kaufen konnten,
sondern auch noch Duschvorhänge und wunderbare Kissen! Soetwas bekommt man
leider in unmittelbarer Umgebung der Uni nicht, weshalb wir Natsumi sehr
dankbar waren, dass sie uns mit dem Auto zum Kaufhaus und zurückgefahren hat.
Am Abend haben Irene und ich dann zum ersten Mal unseren Herd in
unserer Wohnung eingeweiht. Die ersten Tage waren wir einfach zu beschäftigt
gewesen, um selbst zu kochen. Außerdem mussten wir ja auch erstmal die Gegend
nach guten Supermärkten auskundschaften.
Das Ergebnis unseres ersten selbstgemachten Essens:
Nudeln mit gebratenem Gemüse, Hähnchenfleisch und Sojasoße.
Damit ging der Tag dann auch ruhig zu Ende und wir gingen schließlich
schlafen, um für Sonntag fit zu sein, da wir dann auch nochmal kurz auf das
Festival wollten…
Gesagt, getan: Sonntag gingen wir erneut nochmal kurz auf das Ryudaisai
und gönnten uns erneut ein Eis. Dieses Mal aber Milcheis. Genau genommen:
Okinawanisches Eis. Es gab einige Geschmacksrichtungen, die hier nicht so
üblich sind, doch letztendlich entschieden wir beide uns für Matcha-Eis
(Grünes-Tee-Eis). Uuuuuunglaublich lecker!
Matcha-Eis
Yakitori haben wir uns auch geholt. (Yakitori=gegrilltes Hähnchenfleisch)
Außerdem spielte dieses Mal eine Band auf der Bühne vor der Bibliothek:
Der Sänger der Band
Der Gitarrist
Am Abend trafen wir uns mit unseren Jungs, da wir gemeinsam kochen
wollten. Das Ergebnis: Curry-Reis! Es war wirklich sehr lecker und sicherlich
werden wir das nicht zum letzten Mal gemacht haben.
Unser Curry-Reis!
Ah, da fällt mir ein: Wir hatten auch am Samstag unser erstes
ausführliches und europäisches Frühstück! Die ersten Tage hatten wir uns immer
das weiche, helle Brot geholt, welches man in Japan bekommt, oder irgendwelche
süßen Teigwaren. Jetzt aber sind wir etwas besser ausgestattet:
Es gab leckeren Cappuccino, dazu Brot, Marmelade und Honig. :)
Ach ja, und noch etwas ganz vergessen: Das waren unsere ersten beiden
Getränke aus der nördlichen Cafeteria, die Irene und ich uns während der
Erkundung des Campus gekauft haben:
Links: Apfeltee, rechts: Apfelsaft, Mitte: ich! XD
Das war unser Wochenende. Ich finde, es war ein schöner Einstieg, um
die Uni ein bisschen besser kennen zu lernen und es hat Spaß gemacht, einfach
die ganzen Stände zu erkunden und einzelnen Vorführungen zuzuschauen. ^^
Das war’s auch erstmal wieder! Bis bald!
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